Die Rasse und ihre Geschichte
Die Zwerg-Cochin ist eine der ältesten Zwerghuhnrassen asiatischen Ursprungs. In Europa tauchten die „Federbälle“ Mitte des 19. Jahrhunderts auf, als in England Tiere aus den kaiserlichen Gärten von Peking ankamen. Dort wurden sie zunächst als Peking-Bantam bekannt und sorgten mit ihrem kugeligen Körper, der starken Fußbefiederung und der gelben Gefiederfarbe für großes Aufsehen.
In Deutschland kamen die ersten Zwerg-Cochin in den 1880er-Jahren an und verbreiteten sich rasch in verschiedenen Farbenschlägen. 1929 gründeten engagierte Züchter den Sonderverein, aus dem der heutige Internationale Sonderverein zur Erhaltung der Zwerg-Cochin (ISV) hervorging. Seitdem setzt sich der ISV dafür ein, diese besondere Rasse zu erhalten, weiterzuentwickeln und Wissen rund um Haltung und Zucht weiterzugeben.
Stall & Auslauf
Für einen kleinen Stamm von etwa einem Hahn und zwei Hennen reicht bereits rund 1 m² gut isolierte Stallfläche aus. Wichtig ist ein trockener, zugfreier Stall mit ausreichend Fensterfläche – empfohlen werden etwa 20 % der Grundfläche als Lichtquelle, damit genügend Tageslicht ins Innere gelangt. Sitzstangen sollten etwa 5 cm breit sein, abgerundete Kanten haben und pro Tier rund 20 cm Platz bieten.
Zwerg-Cochin schätzen einen geschützten Scharrraum und Legenester in ruhiger, leicht abgedunkelter Lage. Außen genügt ein Zaun von etwa 1 m Höhe – die schweren, ruhigen Tiere überwinden diese Höhe nur selten. Ein gut bewachsener Auslauf mit Gras und Schatten ist sinnvoll; Überbesatz sollte vermieden werden, damit der Boden nicht völlig zertritt und sich Krankheitserreger nicht zu stark anreichern.
Fütterung in der Praxis
Zwerg-Cochin benötigen ein ausgewogenes Futter mit ausreichendem Eiweiß- und Mineralstoffanteil. Als Richtwert gelten pro Tier täglich etwa 10–15 g Körnerfutter plus rund 50 g Weichfutter oder Alleinfutter. Die Troglänge sollte pro ausgewachsenem Tier mindestens 15 cm betragen, damit alle gleichzeitig fressen können.
In der Aufzuchtphase hat sich bewährt, nach dem Kükenfutter zunächst Junghennenmehl zu geben und erst zur Zuchtzeit auf Legemehl umzustellen. Ölhaltige Samen und hochwertiges Eiweiß – zum Beispiel aus Garnelen oder Keimgetreide – unterstützen Gefiederqualität und Mauser. Als Grünfutter eignen sich u. a. Grünkohl, Brennnesseln, Topinambur und gehacktes Fallobst. Abends verabreichtes Körnerfutter sorgt dafür, dass die Tiere über Nacht gut versorgt sind.
Brütigkeit & Aufzucht
Zwerg-Cochin sind für ihre ausgeprägte Brütigkeit bekannt. Viele Hennen setzen sich zuverlässig und ausdauernd, teilweise sogar auf Kunst- oder Fremdeier. Das macht sie nicht nur für die eigene Nachzucht interessant, sondern auch als Naturbruthennen für andere Rassen oder sogar für Fasanen, Wachteln und Wasserziergeflügel – entsprechende Einsätze sind aus Zuchtbetrieben und Tierparks dokumentiert.
Die starke Brutlust hat zwei Seiten: Während der Brut und der Kükenführung legen die Hennen naturgemäß keine Eier, und oft verlieren sie dabei einen Teil des Gefieders an Brust und Bauch. Nach einer Brut im Spätsommer kann es einige Monate dauern, bis eine Junghenne wieder ausstellungsfähig ist. Außerhalb der Brutphasen erreichen Zwerg-Cochin jedoch eine solide Legeleistung mit regelmäßigen Eiern im Wechsel von Legetagen und kurzen Pausen.
Zucht in der Praxis
Bei der Auswahl der Zuchttiere spielt der Hahn eine Schlüsselrolle, da alle Nachkommen seine Merkmale tragen. Darum sollten nur vitale, korrekt gebaute Tiere mit feurig roten Kopfpunkten und klaren Augen eingesetzt werden. Fehler wie Kammfehler, Flügellücken, Kümmerfedern oder Augenmängel sind erblich und gehören konsequent aus der Zucht genommen.
Um die typische Ballform zu erhalten, sind breite Federn mit hohem Flaumanteil wichtig. Bei den Hennen achtet man zusätzlich auf den Abstand zwischen Legebein und Brustbein sowie auf einen breiten Stand – beides Hinweise auf gute Legeleistung. Grundsätze bei der Stammzusammenstellung sind: nur gesunde, leistungsfähige Tiere nutzen, nicht zwei Tiere mit demselben Fehler kombinieren und auf vollständige Zehen mit intakten Krallen achten.
Grundsätze der Zucht:
- Nur gesunde, lebenskräftige Tiere zur Zucht verwenden.
- Nie Tiere mit gleichen Fehlern in einen Zuchtstamm nehmen.
- Nie Tiere mit Kümmerfedern oder Flügellücke zur Zucht nehmen.
- Nie Tiere mit Augenfehlern in die Zucht einsetzten.
- Auf Kammfehler achten.
- Ist die Mittelzehe befiedert?
- Wie sieht es mit der Außenzehe aus? Fehlt der Nagel oder schon das letzte Glied?
Gesundheit & Vorsorge
Viele Erkrankungen lassen sich früh erkennen, wenn man Verhalten und Erscheinungsbild der Tiere aufmerksam beobachtet. Warnsignale sind z. B. Absonderung von der Gruppe, fehlender Appetit, gedrückte Körperhaltung, vermehrtes Trinken oder Probleme bei Atmung und Bewegung. Blasse oder dunkel verfärbte Kämme, glanzloses Gefieder oder verschmutzte Kloakenregion können ebenfalls auf gesundheitliche Störungen hinweisen.
Bewährt hat sich eine regelmäßige Entwurmung der Zwerg-Cochin – in der Broschüre werden zwei Behandlungen pro Jahr empfohlen, im Herbst und vor Beginn der Zuchtzeit. Leistung und Gesundheit stehen in engem Zusammenhang: Ein plötzlicher Rückgang der Legeleistung kann ein frühes Warnsignal sein. Bei ungeklärten Problemen sollte immer tierärztlicher Rat eingeholt werden, um Ursachen abzuklären und Ausbrüche von Krankheiten im Bestand zu vermeiden.
Hinweis zur Gesundheit:
Im Zweifel immer tierärztlichen Rat einholen - diese Hinweise ersetzten keine Diagnose.
Zwerg-Cochin kaufen
Zwerg-Cochin lassen sich grundsätzlich auf verschiedenen Wegen erwerben. Kleintiermärkte und Kleinanzeigen bieten manchmal Tiere an, doch hier ist die Qualität schwer einzuschätzen – der sprichwörtliche „Kauf im Sack“. Empfehlenswerter sind Besuche bei Züchtern oder der Besuch von Rassegeflügelausstellungen, bei denen Tiere in Ruhe betrachtet und mit den Züchterinnen und Züchtern gesprochen werden kann.
Der ISV unterstützt Interessierte bei der Suche nach passenden Tieren. Über die Vereinsadresse oder den Vorstand können Kontaktmöglichkeiten zu erfahrenen Züchtern vermittelt werden. Häufig geben Züchter im Herbst Jungtiere ab, die sie für die eigene Zucht nicht benötigen, oder nach der Zuchtperiode erprobte Alttiere. So entstehen nicht selten langjährige Züchterfreundschaften.
Sie haben Fragen zur Haltung oder möchten mit Zwerg-Cochin beginnen?
Weiterführende Informationen
Wer tiefer einsteigen möchte, findet in Fachliteratur und Zeitschriften viele weitere Informationen. Besonders empfohlen wird das Buch von Paul Doll „Zwerg-Cochin, Kaiserhühner aus Peking“, das über den Sonderverein erhältlich ist. Zudem berichten Fachzeitschriften wie die „Geflügelzeitung“ regelmäßig über Rassegeflügel und Zwerg-Cochin.
Viele Mitglieder des ISV verfügen über umfangreiche Sammlungen älterer Fachartikel und stehen bei Fragen gern mit Rat und Material zur Verfügung.
